Evangelische Trinitatisgemeinde am See

Losung für
Donnerstag, 2. April 2020

Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.

Psalm 71,17

Simeon nahm das Kind Jesus auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.

Lukas 2,28-30

Gedanken zur Corona-Krise

Liebe Leser. Irgendwie erinnert mich das Geschehen heute an die Dinge vor reichlich 30 Jahren. Da war ich 14 Jahre alt, und da wurde uns ein vereintes Deutschland geschenkt. Wir sind im Oktober 1989 von der Nikolaikirche aus durch Leipzig gelaufen und haben für das neue Deutschland demonstriert. Wir waren alle gemeinsam so bewegt mit einem hoffnungsvoll-positiven Blick in die Zukunft. Wir wussten nicht, dass das für uns auch richtig schwer gefährlich werden könnte, Polizei, Soldaten und andere Gruppen standen zum Einsatz gegen uns bereit. Ich war auch zu jung, um an den 17. Juni 1953 zu denken. Gott sei Dank geschah fast nichts, und es blieb eine friedliche Revolution mit Gebeten und Kerzen, einzigartig in der Geschichte!

Unser damaliger Leipziger Nikolaipfarrer Christian Führer, der die Kirche wirklich offen für alle gehalten hat, war ein starker Motor für die friedliche Überwindung des Alten. Er sagte hinterher zu seiner Motivation: „Ja, wir haben etwas erlebt, von dem wir schon aus der Bibel wussten, dass es stimmt, was geschrieben steht: ‚Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht‘ (Jesaja 7,9) Die Genossen glaubten nicht und sie blieben nicht! Straße und Altar gehören zusammen bei Jesus. Jesus hat sich nicht im Tempel versteckt!“

Ängste gab es dann aber auch. Wird es weitergehen? und: Wie wird es weitergehen? Wir kannten doch nur die alte Welt mit unserem sozialistischem System, wo eigentlich alles ziemlich klar war. Das war nun ganz plötzlich nicht mehr da. Aber nun kamen die freien Wohlstandsjahre in der BRD mit der D-Mark, an die wir uns so ganz schnell gewöhnten.

Und heute? Heute fragen wir wieder: Wird es weitergehen? und: Wie wird es weitergehen? Und auch hier gilt das zeitlos gültige Wort Gottes der Bibel, das Pfarrer Führer damals wichtig war:
Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht! Der Prophet Jesaja spricht in Jesaja 7,9 diese Worte zu dem jüdischen Volk unter dem König Ahas. Sie haben große Angst, denn sie werden von einer kriegerischen Allianz aus Syrien und Nordisrael bedrängt. Die Bibel beschreibt: Da bebte Ahas das Herz und das Herz seines Volks, wie die Bäume im Walde beben vom Winde. Der Inhalt der Propheten-Botschaft für Ahas war, dass er das Bündnis seiner beiden Feinde aus dem Norden nicht zu fürchten brauchte. Denn Gott hatte beschlossen, dass ihr Unternehmen scheitern sollte. Und das ist das Entscheidende! Gott hat und behält alles in der Hand! (So traf es dann auch alles ein, und so hatten wir es damals zur friedlichen Revolution ja auch erlebt.) Das Problem ist: Wie kann Ahas das wissen, wie und ob Gott überhaupt seine schützende Hand über sie hält? Anfangs ist er ein Skeptiker, ein Zweifler und ein Ungläubiger. Er vertraut auf die sichtbaren Fakten, und die machen einfach nur Angst! (Auch heute werden uns durch die Medien eine Unzahl sichtbarer Fakten präsentiert...) Wie kann der König Ahas überzeugt werden, dass das, was Jesaja von Gott und seiner Hilfe sagt, auch wirklich wahr ist? - Ja, und wie können wir überzeugt werden, dass die Corona-Krise zwar Ernst ist, dass wir uns dennoch nicht in Angst und Verzweiflung verzehren müssen?

Es ist der Glaube! Das gläubige Vertrauen darauf, dass Gott der Herr und Schöpfer ist, „Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.“ (Paul Gerhard)

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Christian Huth