Evangelische Trinitatisgemeinde am See

Losung für
Dienstag, 2. Juni 2020

Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN.

1. Samuel 2,1

Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude.

1. Petrus 1,8

Gedanken zur Corona-Krise

Liebe Leser.

Wir leben heute in einer Zeit, wo vieles, was sicher schien, in Frage gestellt ist und zwar weltweit. Viele Verantwortliche in Politik und Gesellschaft kämpfen Tag für Tag um ein richtiges Verständnis und gute Entscheidungen mit Augenmaß. Obwohl am nächsten Tag schon wieder alles anders aussehen kann... Zahlen liegen vor, aber wie sollen sie gedeutet werden? Und was ist mit den Zahlen, die nicht vorliegen? Woher kommt das Virus, und wie kann man es bekämpfen? Und was ist mit den vielen einsamen und verängstigten und vielleicht auch wütenden Herzen? Wie werden die sich Luft verschaffen zu Hause oder auf der Straße? Einige Daten lassen da ja Schlimmes vermuten...

Wie kann das Leben einigermaßen ungehindert und gesund weiter gehen, z. B. in den Schulen oder in der Wirtschaft? Was kann man auf welche Weise umsetzen? Diese Fragen bringen die Verantwortlichen und uns alle an den Rand der Überforderung. Und schon so mancher wird über die ungewisse Tragweite von Entscheidungen und deren Umsetzung auch krank.

Gott, Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder, heißt es im Bibelwort, das für Juni 2020 ausgelost worden ist. So betet der König Salomo bei der Einweihung des ersten Tempels in Jerusalem. Dieser König Salomo ist eine äußerst interessante Gestalt. Denn als Gott ihm den Wunsch gewährt sich zu erbitten, was er will, da fragt Salomo nicht nach Reichtum, Macht oder langem Leben. Sondern er bittet um ein gehorsames Herz gegen Gott und um Weisheit, damit er Gottes Wege verstehen und die ihm anvertrauten Menschen gottgemäß also richtig und gut führen kann. Was für ein Gebet eines zukünftigen Herrschers!

Und Gott hat ihm geantwortet: „Siehe, ich gebe dir ein weises und verständiges Herz, sodass deinesgleichen vor dir nicht gewesen ist und nach dir nicht aufkommen wird. Und dazu gebe ich dir, worum du nicht gebeten hast, nämlich Reichtum und Ehre, sodass deinesgleichen keiner unter den Königen ist zu deinen Zeiten.“ So ist es dann auch gekommen. (Nachzulesen im 1. Buch der Könige in der Bibel.)

Und Du und ich: Egal, wo wir heute leben und wie wir Verantwortung zu tragen haben. Wir sind eingeladen in das Gebet einzustimmen: Gott, schenke mir Weisheit. Denn Du allein kennst mein Herz und das Herz alle Menschenkinder. Und Du hältst nicht nur unser Gestern, sondern auch unser Heute und unser Morgen in Deiner Hand!

Wenn ich in meinem Leben zurückblicke, wünschte ich, ich hätte jeden Tag so gebetet. Aber ich dachte viel zu oft, dass ich mit meiner eigenen Weisheit, mit meinem Wissen und der eigenen Erfahrung ans Ziel komme. Bis ich in die nächste Sackgasse kam, was manchmal auch sehr weh tat. Aber Gott war und ist Gott sei Dank geduldig mit mir. Und ich möchte immer mehr lernen, demütig nach seiner Weisheit zu fragen und gehorsam danach zu tun. Damit ich ein Stück wie Salomo in rechter Weise Entscheidungen treffen und die übertragene Verantwortung gut ausüben kann. Herr, schenke mir Weisheit! Und schenke unseren Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft Weisheit und Augenmaß, Amen.

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Christian Huth