Evangelische Trinitatisgemeinde am See

Losung für
Donnerstag, 6. August 2020

Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

Psalm 103,10

Wir glauben, durch die Gnade des Herrn Jesus selig zu werden.

Apostelgeschichte 15,11
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Gedanken zur Corona-Krise

Liebe Leser. Die Corona-Pandemie nimmt weiter ihren Lauf und niemand kann voraussagen, wohin das führt und welche Auswirkungen das noch haben wird. Unsere Welt erfasst auf eine erschreckend deutliche Weise die Bedeutung des Satzes aus dem Jakobusbrief: „Wir wissen nicht, was morgen sein wird.“ (Jakobus 4,14). Und dennoch müssen wir uns auf das Morgen einstellen. Wir wollen es zumindest versuchen.

Vielleicht haben uns ja dazu die Ereignisse in den vergangenen Wochen etwas ruhiger und nachdenklicher werden lassen. Da konnten wichtige Werte wieder neu in den Blick treten oder neu angeordnet werden. Z. B. hat die Familie als engste Hausgemeinschaft wieder an Bedeutung gewonnen. Wir erkennen, dass das Wohlergehen in Staat und Gesellschaft ganz stark davon abhängen, wie gesund die kleinsten sozialen Zellen, die Familien, sind. Die Verantwortung für die Kinder ist keine Staatssache (ein „3. Reich“ mit der Hoheit über die Kinderbetten und die Jugend wollen wir nie wieder!). Die Verantwortung für die Kinder liegt insbesondere bei den eigenen Eltern und Verwandten. Da kommt wieder etwas näher zusammen, was natürlicherweise zusammen gehört. Ein Weiteres: Vieles, was uns in den potenten Zeiten vor Corona wichtig schien, ist gar nicht so entscheidend. Vielleicht haben wir gemerkt, dass wir nicht zu irgendwelchen Konferenzen nach Berlin, Frankfurt, New York, Peking oder sonst wohin fliegen müssen. Zu Hause am Computer oder Telefon lässt sich auch gut mit anderen in Kontakt treten. Wir merken auch: Höher!, Schneller!, Weiter! bringt uns nicht weiter, sondern Menschen und Erde höher zum Absturz und schneller zum Burnout.

Das Wort im Jakobusbrief 4,14 ist aber noch nicht zu Ende und will uns etwas Grundsätzliches mitteilen: „Ihr wisst nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet.“ Jakobus spricht den typischen Geschäftsmann (sehr ähnlich dem heutigen modernen Menschen) an, der seine Rechnung aber ohne Gott macht. Mit größter Selbstverständlichkeit plant er seine Reisen und sagt: „Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen“. Und er teilt seine Zeit ein, so als ob er frei darüber verfügen könnte und er sagt: „und wir wollen ein Jahr dort zubringen.” Außerdem verfolgt er scheinbar unbegrenzt seine Ziele. Er will Handel treiben und Gewinn machen, also noch mehr raus holen. Diesen Geschäftsleuten/modernen Menschen hält Jakobus vor: „Ihr wisst nicht, was morgen sein wird“.

Denn alle Pläne der Menschen sind immer nur vorläufig. Sie sind zu keiner Zeit Herr über das, was kommen wird. Weder die Zeit, ja, nicht einmal ihr ganzes Leben gehört eigentlich ihnen. So legt uns Jakobus eine weitere Frage vor: „Was ist eigentlich euer Leben?“ Und die Antwort darauf lautet: „Es ist nichts weiter wie ein Rauch, wie ein Dunst oder wie ein Dampf“.

Liebe Leser. Wir sind herausgefordert, nach vorne zu planen, ohne die zukünftigen Entwicklungen überblicken zu können. Diese Unkenntnis gestehen wir uns sehr bewusst ein. Als Christen spüren wir unsere Abhängigkeit von Gott und sind sehr froh, dass wir uns an ihn hängen dürfen. „Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun“, sagt Jakobus. Der auferstandene Jesus Christus kennt die Zukunft, behält die Kontrolle und wird seinen Weg mit uns gehen. Wenn wir bei ihm bleiben, ist das bisschen Rauch unseres Lebens nicht verloren und wir bewegen uns auf ein gutes Ziel, das Bleiben in Gottes Ewigkeit. Amen.

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Christian Huth